Pilotprojekt DLPL Primarstufe abgeschlossen

17. Februar 2019

Der Abschlussbericht des österreichweiten Projekts „Denken lernen – Probleme lösen“ zur Einführung von Educational Robots in der Primarstufe ist nach fast zwei Jahren Projektlaufzeit veröffentlicht.

Das Projekt widmete sich der Etablierung von Education Innovation Studios (EIS) in Österreich zur Stärkung der informatischen Grundbildung mit dem Schwerpunkt Primarstufe. Im Sinne der Digitalisierungsstrategie der Schule 4.0 wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung (BMB) im März 2017 in Auftrag gegeben. Ziel war es, in die Nutzung von digitalen Medien in der Grundschule didaktisch begründet einzuführen und das informatische Denken zu stärken. Die ursprüngliche Projektidee und -initiative stammte von Alois Bachinger von der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese in Linz (PHDL) und wurde in einem Kooperationsverbund von der Pädagogischen Hochschule Wien (PHW), der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich (PHNOE), der PHDL, DaVinciLab, der E-Learning-Strategiegruppe der österreichischen Pädagogischen Hochschulen (PHeLS) und dem eEducation-Netzwerk umgesetzt.

Der fast 100 Seiten umfassende Bericht kann hier als PDF heruntergeladen werden. Er besteht aus drei Teilen:

  1. Teil A widmet sich der ausführlichen Beschreibung des Projektes „DLPL Primarstufe“. Die Darstellung der verwendeten Materialien und der inhaltlichen Zugänge stehen dabei im Mittelpunkt.
  2. Teil B beschäftigt sich mit der Evaluierung der Projekt-Workstreams. Das sind Teilbereiche in welche das Gesamtprojekt aufgeteilt wurde und denen bestimmte Arbeitspakete zugewiesen wurden. Ziel dieses Abschnitts ist es, Gelingensbedingungen und Stolpersteine im Projektverlauf ausfindig zu machen, um darauf aufbauend Empfehlungen für ähnliche Projekte oder eine Fortsetzung geben zu können.
  3. In Teil C werden die Ergebnisse der Evaluierung zum Thema Problemlösefähigkeit der SchülerInnen erläutert.

Im Folgenden werden aus dem Fazit des Berichts die wichtigsten Ergebnisse zusammen gefasst:

Die „Short Facts“ zeigen, dass die wesentlichen Ziele des Projekts erreicht wurden: es gibt 13 Education Innovation Studios an Pädagogischen Hochschulen in Österreich, vier mehr als beauftragt. In einer österreichweiten Clusterstruktur betreuen die Bundesland-EIS die Schulen in der jeweiligen Region und kümmern sich um Equipment, Schulungen und Erfahrungsaustausch. Es wurde eine Content- und Community-Plattform unter https://eis.eeducation.at etabliert. Auf der Plattform sind drei Online-Fortbildungskurse ausgearbeitet mit insgesamt neun sehr umfangreichen Unterrichtseinheiten als OER-Ressourcen. Im Zuge des Projekts wurden österreichweit 30 MultiplikatorInnen und etwa 250 LehrerInnen geschult, dazu viele Studierende der Ausbildung in verschiedenen Studiengängen.

Die Problemlösefähigkeit der SchülerInnen hat sich durch die Arbeit mit den DLPL-Sets und Materialien deutlich erhöht. Das zeigen die Ergebnisse der Auswertung der Befragungen von 455 Kindern aus den DLPL-Projektklassen in Bezug auf die Ergebnisse von 88 Kindern, die die Vergleichsgruppe gebildet haben. Sowohl bei den Schülerinnen als auch bei den Schülern ist der Anstieg bei den erreichten Punkten in der Projektgruppe gleich hoch. Die SchülerInnen wurden durch die Arbeit mit den Materialien im Bereich Computational Thinking gefördert.

In der Diskussion mit den Lehrenden im Bundesland Salzburg ergab sich, dass das Projekt vor allem kollaboratives, kooperatives und soziales Lernen gefördert hat. Genderspezifische Unterschiede in der Aneignung der Fertigkeiten wurden nicht beobachtet. In einzelnen Projektgruppen war die Fähigkeit, Probleme eigenständig einzugrenzen und zu lösen erkennbar, fehlende Zeit für ein problemorientiertes Lernen wurde als Hindernis angesehen. Inwiefern solche Projekte den kreativen Umgang mit IKT fördern, kann erst nach einer längeren Beobachtung festgestellt werden, es zeigen sich jedoch deutlich positive Anzeichen dafür.

Die Evaluierung der Workstreams ergab, dass die Einrichtung und der fortlaufende Betrieb der EIS in den Bundesländern gut umgesetzt wurde, wobei als wesentlicher Gelingensfaktor dieses Projektes die Anpassung der Raumgestaltung auf die didaktischen Bedürfnisse und Anforderungen hervorzuheben ist. Die exklusive Nutzung bzw. Vorrang bei der Nutzung für DLPL-relevante Aktivitäten stellen ebenso eine wichtige Erfolgsbedingung dar.

Beinahe jedes Bundesland hat einen individuellen Modus für den Verleih des Materials implementiert. Was sich jedoch zeigt, ist, dass diejenigen Hochschulen, die mehr an Verantwortung bezüglich Weitergabe und Kontrolle des Materials an Schulen abgaben, um ein Vielfaches weniger Personalaufwand hatten, als jene die den ganzen Prozess PH-intern abwickelten. Ein knappes Drittel der befragten Wiener LehrerInnen äußerte den Wunsch, den Verleihzeitraum auszudehnen. Für Überraschung sorgte in allen Bundesländern der verhältnismäßig geringe Aufwand an Ersatzteilen. Als bedeutender Stolperstein von Seiten der LehrerInnen im Projekt wurde fehlende Schulausstattung, vor allem nicht vorhandenes W-LAN genannt.

Die frei verfügbaren Materialien stellen einen wesentlichen Erfolgsfaktor des Projektes dar. Sie stießen auf großen Zuspruch, wurden größtenteils von allen MultiplikatorInnen und LehrerInnen so übernommen, teilweise an die lokalen Gegebenheiten angepasst. Sie eigneten sich gut für Sach-, Sprach- und Mathematikunterricht und förderten logisches und algorithmisches Denken. Die BeeBots wurden in allen vier Jahrgangsstufen, LEGO WeDo 2.0 meist nur in den beiden höheren eingesetzt. Für eine Fortsetzung des Projekts wünschen sich einige LehrerInnen zusätzliche Unterrichtskonzepte.

Die Vernetzung erfolgte größtenteils innerhalb der Schulen, weniger innerhalb der Cluster und am wenigsten über das Community-Moodle. Generell wurden für Kommunikation und Dokumentation vordergründig andere als von der Projektleitung vorgegebene Kanäle benutzt. Die Parallelität von CMS (eEducation-Webseite), der Moodle-Kurse mit Materialien und dem Community-Moodle wurden als problematisch gesehen.

Hinsichtlich der Fortbildung der Lehrenden zeigte sich als wichtigstes Ergebnis, dass die für das Projekt ausgewählten Materialien BeeBots, LEGO WeDo 2.0 und Scratch sowie die vorgeschlagene Methodik zur Umsetzung im Klassenraum durchgängig als passend empfunden wird. Die zentrale Frage, ob sich das Projekt auf die Einstellung und Kompetenzen der Lehrkräfte auswirkt, konnte nach Analyse der Ergebnisse positiv beantwortet werden. Jene Lehrkräfte, die bereits vor dem Projekt dem Themenbereich positiv gegenüberstanden, also die große Mehrheit der Befragten, wurden durch das Projekt in ihrer Haltung bestätigt bzw. bestärkt. Lehrkräfte mit neutraler bzw. abwartender Haltung vor Projektbeginn beschrieben, dass sie durch die Trainings bzw. das Arbeiten im Projekt sicherer und motivierter wurden bzw. ihre teils vorhandene Scheu gegenüber dem Thema und dem Material aus dem Bereich Coding und Robotik ablegen konnten.

Ein konkreter Kompetenzgewinn ergab sich für die Befragten nach eigener Einschätzung im methodisch-didaktischen Bereich. Groß ist die Bereitschaft der Befragten, den Themenbereich informatisches Denken, Coding und Robotik auch nach Projektende im Unterricht weiter zu führen. Gleichzeitig merkten die Befragten jedoch an, dass diese Bereitschaft nicht für alle Lehrpersonen im Kollegium an den jeweiligen Schulen gegeben ist.

Überraschend ist ein Ergebnis aus der Wiener Evaluation, demnach die Zahl der im Projekt unmittelbar geschulten LehrerInnen und die tatsächlich mit dem Material arbeitenden LehrerInnen an den Schulen stark auseinander geht: an den Wiener Schulen waren viermal mehr LehrerInnen am Projekt beteiligt, als bei den LehrerInnenschulungen unmittelbar beteiligt waren. Dies deutet auf zwei Umstände hin: eine nicht zu vernachlässigende (positive!) Dunkelziffer an den österreichischen Projektschulen und motivierte und motivierende TeilnehmerInnen des Projekts, die hier offenbar schulintern als MultiplikatorInnen wirkten. Beide Aspekte sollten bei einer Fortsetzung genauer betrachtet werden.

Als Stolperstein hat sich in zwei Bundesländern die Zuteilung von Schulen durch die Schulaufsicht herausgestellt, wodurch Schulen mit eher geringerem Engagement in das Projekt gelangten, während Schulen mit stark motiviertem Kollegium, am Projekt aktiv teilzunehmen, ausgeschlossen wurden. Hier sollte mehr Verantwortung an die regionalen KoordinatorInnen und EIS-Verantwortlichen übertragen werden.

Alle Verantwortlichen der PHs wünschten sich eine fixe Implementierung in der Primarstufenausbildung, um auch schon Studierende für „DLPL Primarstufe“-Themen wie Coding und informatisches Denken gewinnen und begeistern zu können. Viele LehrerInnen würden eine Aufstockung der Fortbildungsveranstaltungen und der Klassenworkshops begrüßen. Als Stolpersteine konnten hier ReferentInnenlücken in der Aus- und Fortbildung und bei Projekt-Workshops ausgemacht werden.

Hervorzuheben sind in diesem Projekt das Engagement und die Überzeugung der Bundeslandkoordinatorinnen und Bundeslandkoordinatoren, mit denen der spezifische Erfolg im Bundesland erheblich zusammenhängt.

Basierend auf den Auswertungen der Daten, Interviews und Erhebungen können abschließend Empfehlungen ausgesprochen werden.

Es stellte sich als besondere Schwierigkeit heraus, projektbasiert eine aktive Online-Community aufzubauen. Eine Empfehlung hierbei ist, die möglichen Anlaufpunkte zu reduzieren. Aus folgenden Gründen könnte auch der Nutzen einer österreichweit gemeinsamen Community-Plattform in Frage gestellt werden: Unterstützung, die schul- oder bundesland-intern erfolgt, findet mehr Akzeptanz; dokumentiert wurde nicht oder anderswo; Material kann auch über eine offene Plattform (wie beispielsweise eis.eeducation.at) zur Verfügung gestellt werden.

Für die Fort- und Ausbildung sollten eine ausreichende Anzahl an professionellen Referenten bzw. Referentinnen sowie die entsprechenden Zeit- und Geldressourcen zur Verfügung stehen, um eine nachhaltige Implementierung von „DLPL Primarstufe“-Inhalten in den Bundesländern gewährleisten zu können. Eine Richtlinie des BMBWF für Personal (d. h. Werteinheiten) pro Cluster wäre hilfreich – in der Größenordnung dieses Projekts sind 4-6 Wochenstunden pro Cluster empfehlenswert. Ebenso sollte es für die Mindestressourcen zur EIS-Betreuung an der PH eine Richtlinie geben. Eine Möglichkeit für zusätzliche Ressourcen bestünde beispielsweise auch darin, studentische MitarbeiterInnen für Materialmanagement und Schulungen einzusetzen, sowie die Verantwortung für Materialtransport und Kontrolle an die Schulen abzugeben.

Eine „Nebenerkenntnis“ der Erhebungen im Projekt war erneut die Tatsache, dass die Infrastruktur und Ausstattung an vielen Volksschulen für einen zeitgemäßen Unterricht mit Digitalen Medien keine guten Voraussetzungen bietet. Hier bleibt zu hoffen, dass im Zuge der weiteren Strategieentwicklung durch das BMBWF (siehe beispielsweise Masterplan Digitalisierung) ein systematischer Ausbau aller Schulen erfolgt. Die Verfügbarkeit von Educational Robots über die Schulbuchaktion ist ein wichtiger Schritt, allerdings brauchen die Schulen auch Unterstützung beim Finden von Sponsoren, Partnern, Initiativen oder Projekten.

Der Grundansatz des Projekts „DLPL Primarstufe“, nämlich ein gut ausgearbeitetes prototypisches Konzept von einem ExpertInnenteam zu entwickeln und über die Clusterstruktur österreichweit auszurollen, kann grundsätzlich als erfolgreich bezeichnet werden, wobei Motivation und Akzeptanz und damit schließlich der Projekterfolg in den verschiedenen Regionen deutlich steigen, wenn bei der konkreten Implementierung bundeslandspezifische Rahmenbedingungen beachtet werden, Verantwortung regional übertragen wird und Freiheiten in der konkreten Ausgestaltung bestehen.

Das Projekt wurde vom BMBWF in Auftrag gegeben und finanziert, plus zusätzlicher Ressourcen der Pädagogischen Hochschulen und aus dem eEducation-Cluster (siehe DLPL auf der Website des BMBWF).

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